Reservoir Teiftal, Schattdorf UR (© M. Volken)

FOKUS WASSER: Wie funktioniert die Wasserversorgung auf kommunaler Ebene? – ZU BESUCH BEI Edi Schilter, Präsident der Wasserversorgung Schattdorf

Der Präsident der Wasserversorgung Schattdorf leitete an den vergangenen Institutstagen des Urner Instituts Kulturen der Alpen im August 2026 eine Wanderung vom Haldi ins Teiftal. Das Redaktionsteam von Syntopia Alpina begleitete die Gruppe bei dieser Exkursion, die die Schweizer Wasserversorgung am Beispiel der Gemeinde Schattdorf (UR) thematisierte.

Das Urner Institut Kulturen der Alpen richtet vierteljährlich mehrtägige Treffen für sein Forschungskolleg in Altdorf aus, um sich über die eigenen Forschungsprojekte und die Zukunftsfähigkeit der Alpen intensiv auszutauschen. Angesichts der hohen Temperaturen und der extremen Trockenheit des letzten Sommers wurde an den vergangenen Institutstagen insbesondere die Wasserknappheit in den Bergregionen diskutiert. Gerade die anhaltende Trockenheit zeigt: Wasser ist keine unendliche Ressource. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach dem (zukünftigen) Umgang mit dem knappen Gut. 

Die Suche nach einer Antwort führte uns in die Nachbarsgemeinde. Während einer Exkursion vom Haldi ins Teiftal erklärte Edi Schilter, dipl. Kulturingenieur ETH, wie die kommunale Wasserversorgung funktioniert und welche Herausforderungen damit einhergehen. Unsere gemütliche Wanderung gliederte sich dabei in vier Stationen – so machten wir Halt bei der Bergstation Haldi, bei der Brunnenstube und dem Druckbrecher Talacherli sowie beim Reservoir Teiftal. 

Station 1: Bergstation Haldi

Von Schattdorf aus erreichten wir das Haldi (1'080 m ü. M.) in weniger als fünf Minuten mit der geräumigen Luftseilbahn. Oben angekommen, führte uns Edi Schilter in die Welt der Wasserversorgung Schattdorf ein, die das Haldi – obwohl es zu mehr als der Hälfte zur genannten Gemeinde zählt – nicht miteinschliesst. So besitzt das Haldi ähnlich wie Schattdorf ein unabhängiges Netz, dass sich in einer eigenständigen Wassergenossenschaft organisiert. 

Das für die Versorgung von Schattdorf notwendige Wasser liefern die insgesamt 15 Quellen im Teiftal. Die jährliche Wassergewinnung beträgt beachtliche 800'000 Kubikmeter; damit ist in der Regel der gesamte Bedarf der Wohnbevölkerung (Schattdorf zählt knapp 5'500 Einwohner:innen) gedeckt. Interessant ist, dass die Quellen trotz des Klimawandels auch künftig ausreichend Wasser liefern werden, um die Gemeinde zu versorgen. Allenfalls fehlende Mengen und insbesondere für die Lieferung an die Industrie kann zusätzlich Grundwasser vom Wasserverbund Unteres Reusstal (WUR) bezogen werden. Dem WUR sind neben Schattdorf die Gemeinden Altdorf, Seedorf und Flüelen angeschlossen. Da sich allerdings im Einzugsgebiet von Schattdorf keine Gletscher befinden, können die Quellen im Teiftal auch nicht mit dem Wegschmelzen derer versiegen. Zudem prognostizieren Klimamodelle, dass der Niederschlag übers Jahr gesehen in etwa gleichbleibt. Somit schlussfolgerte Edi Schilter: «Gegen die Trockenheit ist die Wasserversorgung Schattdorf gut aufgestellt. Das hat man in diesem Sommer gesehen.» 

Edi Schilter und Prof. Dr. Boris Previšić, Haldi UR (© M. Volken)

Station 2: Brunnenstube Talacherli

Nach diesen einleitenden Worten brachen wir auf; über idyllische Waldwege erreichten wir schliesslich unsere zweite Station – die Brunnenstube Talacherli. Ihre Funktion besteht darin, das Wasser von neun Quellen zu sammeln. Entspricht das Wasser nicht den vom Bund vorgegebenen Standards, wird es direkt in die umliegenden Bäche zurückgeführt. Doch selbst das qualitativ hochwertige Wasser wird in der Brunnenstube mittels UV-Bestrahlung behandelt. Allerdings merkte Edi Schilter an: «Die regelmässigen Kontrollen des rohen Quellwassers zeigen, dass sogar vor der UV-Behandlung kaum Keime im Wasser nachgewiesen werden können.»

Um die Qualität des Wassers sicherzustellen, sind auch die gesetzlich erforderlichen Schutzzonen ausgeschieden. In planlich bestimmten quellnahen Gebieten gibt es Auflagen, welche die Art und Weise der Bodennutzung einschränken. So besteht in diesen Zonen beispielsweise ein Düngeverbot. 

Brunnenstube Talacherli, Schattdorf UR (© M. Volken) 

Station 3: Druckbrecher Talacherli

Nur wenige Gehminuten von der Brunnenstube entfernt befindet sich der Druckbrecher Talacherli. Auch hier gewährte uns Edi Schilter einen exklusiven Einblick in die Innenräume und somit in das Schaffen der Anlage. 

Der Druckbrecher erweist seinem Namen alle Ehre, indem er hauptsächlich den Wasserdruck bricht. Das verringert Schäden an Infrastrukturen (Wasserrohre und Armaturen) und garantiert darüber hinaus die einwandfreie Nutzung bei den Endkonsument:innen. Zusätzlich wird ab dem Druckbrecher Quellwasser in ein weiteres Reservoir im Gebiet Rissliweg abgeleitet. 

Wanderung vom Haldi ins Teiftal, Schattdorf UR (© M. Volken)

Station 4: Reservoir Teiftal

Nach dem Besuch des Druckbrechers Talacherli wanderten wir weiter in Richtung Talboden. Am Siedlungsrand von Schattdorf befindet sich das Reservoir Teiftal – unsere letzte Station, bei der wir von der Wasserversorgung Schattdorf herzlich mit einem Apéro empfangen wurden. 

Das Reservoir Teiftal ist in der Lage, bis zu 2'000 Kubikmeter Wasser zu speichern. Die Besichtigung dieses eindrücklichen Speicherbeckens vermittelte am Ende der Exkursion nochmals anschaulich den enormen Aufwand, der notwendig ist, um eine Gemeinde mit Wasser zu versorgen. Tatsächlich besuchten wir nur einen Teil der Anlagen, die es alle zu unterhalten und bei Bedarf zu erneuern gilt. Auch der Aufwand für die Sicherstellung der Qualität und die Kontrolle des Quellwassers darf nicht unterschätzt werden. So hat die Wasserversorgung Schattdorf für den Betrieb einen vollzeitlich tätigen Brunnenmeister angestellt. Diese Arbeit bleibt nicht unbeachtet. Allein die Tatsache, dass sämtliche Kreditbegehren in diesem Zusammenhang von den Stimmbürger:innen der Gemeinde vorbehaltlos angenommen wurden, zeugt von der grossen Dankbarkeit der Bevölkerung gegenüber der Wasserversorgung Schattdorf. 

Reservoir Teiftal, Schattdorf UR (© M. Volken)

Auch das Redaktionsteam von Syntopia Alpina bedankt sich bei Edi Schilter für den interessanten und lehrreichen Einblick hinter die Kulissen dieser für den Alltag ungemein wichtigen und oft unterschätzten Arbeit. 

Gemeinde Schattdorf: Wasser. In: www.schattdorf.ch. Online: https://schattdorf.ch/leben/wasser-abwasser [Abruf am 08.10.2026].

Gemeinde Schattdorf: Wasserkommission. In: www.schattdorf.ch. Online: https://schattdorf.ch/bewirken/behoerden/wasserkommission [Abruf am 08.10.2026].

Gemeinde Schattdorf: Schattdorf in Zahlen. In: www.schattdorf.ch. Online: https://schattdorf.ch/bewirken/gemeindeverwaltung/portraet/schattdorf-in-zahlen [Abruf am 08.10.2026]. 

Hürlimann, Marcia: Von der Quelle bis zum Wasserhahn. Alles Wissenswerte zur Wassergewinnung und Speicherung in Brunnenstuben und Wasserfassungen. In: www.kohler.ch, 25. Oktober 2024. Online: https://kohler.ch/fr/blog/von-der-quelle-bis-zum-wasserhahn [Abruf am 08.10.2026]. 

Renggli, Walter (2008): 400 Jahre Wasser aus der Röhre. Geschichte der Wasserversorgung Schattdorf. Schattdorf. 

Verein Haldi-Freunde: Luftseilbahn. In: www.haldi-uri.ch. Online: https://haldi-uri.ch/luftseilbahn [Abruf am 08.10.2026].

Verein Haldi-Freunde: Vereine. In: www.haldi-uri.ch. Online: https://haldi-uri.ch/vereine [Abruf am 08.10.2026].