Amden SG (© M. Volken)

FOKUS WASSER: Beschneiung im Spannungsfeld von Wasserverfügbarkeit, Klimawandel und Wirtschaftlichkeit

Ohne Kunstschnee kein Skibetrieb – mit dieser Realität sehen sich zahlreiche Winterdestinationen bereits seit Jahren konfrontiert. Während für Befürworter:innen der Ausbau von Beschneiungsanlagen «unverzichtbar» und «überlebenswichtig» ist, verweisen kritische Stimmen auf den hohen Wasserverbrauch und monieren, dass weitere Investitionen zu Zeiten fortschreitender Erwärmung in eine Sackgasse führen könnten. Dieser Kontroverse liegt vor allem eine Frage zugrunde: Wie soll der zukünftige Schweizer Wintertourismus aussehen?

Die technische Beschneiung verursacht beträchtliche Kosten, deren direkter Nutzen jedoch nur schwer zu beziffern ist. Die Investitionskosten betragen rund 1 Mio. Franken pro Pistenkilometer, sodass sich die Investitionen auf rund 3 bis 4 Milliarden Franken belaufen. Hinzu kommen Betriebskosten für Energie und Wasser von etwa 20'000 bis 30'000 Franken pro Pistenkilometer und Winter.

Interessant ist eine Aufstellung der täglichen Gesamtkosten (Seilbahnen Schweiz 2025). In einem grossen Skigebiet belaufen sie sich auf rund 250'000 Franken. Das Hinunterfahren (Pistenbeschneiung, -präparation und -sicherung) kostet dabei fast gleich viel wie das Hinauffahren. Die Kosten für das Hinunterfahren haben in den letzten 25 Jahren stark zugenommen, sodass sich die Beschneiung zu einem massgeblichen Kostenfaktor entwickelt hat, der sich nicht nur in den Betriebsrechnungen der Unternehmen, sondern auch in den Preisen der Skipässe niederschlägt.

Ein Blick in eine wärmere Zukunft? – Die Talabfahrt nach Ftan ist nur dank Beschneiung offen. Skigebiet Motta Naluns (Scuol/GR), 30. Januar 2022 © Bruno Abegg

Technische Anpassung an wärmere Winter

Die Erfahrungen der zunehmend wärmeren und teils auch schneearmen Winter zeigen, dass technisch vieles möglich ist – auch die Sicherstellung des Skibetriebs (Abegg, Steiger und Walser 2013). Voraussetzung ist jedoch eine leistungsfähige Beschneiungsinfrastruktur, die eine Grundbeschneiung in weniger als 100 Stunden ermöglicht und die eine kurzfristige Verfügbarkeit grosser Wassermengen voraussetzt. Einige Skigebiete haben diesen Weg längst eingeschlagen, andere fragen sich, wie er finanzierbar ist.

Limitierender Faktor Wasser

Für die Beschneiung werden grosse Wassermengen benötigt (ca. 4'000–5'000 Kubikmeter pro ha). Wasser ist eine wertvolle und nicht ersetzbare Ressource und saisonal ein knappes Gut: Im Frühwinter, wenn für die Beschneiung am meisten Wasser benötigt wird, führen die Bäche wenig Wasser und die Quellschüttungen sind gering. Zudem sind Restwassermengen einzuhalten und Konflikte mit anderen Nutzer:innen zu vermeiden.

Wasser wird dann zum Problem, wenn die verfügbare Menge den angestrebten Ausbau der Beschneiungsanlagen einschränkt oder verunmöglicht. Beschneiungsspeicher versprechen hier eine gewisse Abhilfe (Kissling, Weingartner und Vogt 2016). Sie können rasch grosse Wassermengen bereitstellen, die Abhängigkeit von anderen Bezugsquellen reduzieren und die Betriebskosten senken. Allerdings haben auch Beschneiungsspeicher ihren Preis. Die Baukosten liegen im einstelligen bis tieferen zweistelligen Millionenbereich. Untersuchungen von Kissling, Weingartner und Vogt (2016) gehen von Baukosten von rund CHF 50 pro Kubikmeter Speichervolumen aus.

Die meisten Beschneiungsspeicher ähneln sich stark und wirken als reine Funktionsbauten oft «künstlich». Sie werden primär als Teil der Skigebietsinfrastruktur verstanden und kaum als touristisches Angebot genutzt, obwohl Wasser vielerorts eine Attraktion für den Sommertourismus darstellt (Kissling, Weingartner und Vogt 2016).

Beschneiungsspeicher sind im Sommer wenig attraktiv für Wanderer – Skigebiet Parsenn, 30. September 2018 © Bruno Abegg

Pro und Kontra

Es gibt viele Gründe für die Beschneiung. Der Klimawandel gehörte lange Zeit nicht dazu. Zahlreiche Skigebietsbetreibende vermieden es tunlichst, die beiden Begriffe in einem Atemzug zu nennen. Ein Schelm war, wer vermutete, dass hier offenbar nicht sein konnte, was nicht sein durfte. Diese Zeiten sind vorbei, zu deutlich sind die Signale, zu gross das Risiko, künftig mit noch weniger Naturschnee auskommen zu müssen. Frau Holle, notorisch unzuverlässig, schwächelt. Entsprechend stark schwankt das natürliche Schneeaufkommen von Jahr zu Jahr. Es geht also um Absicherung: darum, die Saison zu gewährleisten und planbar zu machen, insbesondere mit Blick auf den ersten Höhepunkt des Skiwinters, die umsatzstarke Zeit über Weihnachten und Neujahr. Häufig wird die Notwendigkeit leistungsfähiger Beschneiungsanlagen mit dem Konkurrenzdruck («leistungsfähige Beschneiung als Standort- und Wettbewerbsvorteil»), der verbesserten Qualität der beschneiten Pisten sowie den Erwartungen der Gäste begründet.

Unbestritten ist, dass Beschneiungsanlagen schon manch eine Skisaison «retteten». Mit der Beschneiung findet gewissermassen eine Entkopplung statt: Der Skibetrieb ist nicht länger primär von den Schneefällen abhängig, sondern davon, ob rechtzeitig genügend Schnee produziert werden kann. Früher führten schneearme Winter – etwa Ende der 1980er Jahre – zu regelrechten Einbrüchen; heute hinterlassen sie, vorausgesetzt die Beschneiungsanlagen können eingesetzt werden, meist nur kleinere Dellen. Davon profitieren in erster Linie die Skigebietsbetreibenden. Es liegt nahe, dass die Botschaft «Skigebiet offen, Pisten gut» auch nachgelagerten Bereichen zugutekommt. Seilbahnen Schweiz (2025) schreibt dazu: «Jeder fünfte Franken im Berggebiet wird direkt oder indirekt durch den Tourismus generiert». Wie weit der Kreis der Nutzniesser:innen reicht und wie stark sie profitieren, hängt jedoch stark von der regionalen Struktur ab: In stark wintertouristisch geprägten Regionen mit viel Aufenthaltstourismus hat das Skigebiet einen anderen Stellenwert als in Gebieten mit überwiegendem Ausflugs- und Tagestourismus. Hinzu kommt, dass bei weitem nicht jeder Wintergast auf der Skipiste anzutreffen ist. Die regionalwirtschaftliche Bedeutung der Bergbahnen und des Skitourismus und damit indirekt auch der Beschneiung soll hier nicht bestritten werden, darf aber auch nicht einfach als gegeben angenommen werden.
 

Auftakt zur Beschneiungssaison im Oktober – Skigebiet Corvatsch, 5. Oktober 2018 © Bruno Abegg

Nutzen der Beschneiung

Die eingangs gemachte Aussage, wonach der Nutzen der Beschneiung nicht zu beziffern sei, ist doppeldeutig. Einerseits ist ihre Bedeutung für den Geschäftsgang der Bahnen in einzelnen Wintern so offensichtlich, dass ihr Nutzen kaum hoch genug angesetzt werden kann. In diesem Sinn wären Investitionen in die Beschneiung tatsächlich ein «no-brainer». Andererseits lässt sich ihr Nutzen nur selten mit konkreten Zahlen belegen. Wie gross ist der Anteil der Beschneiung am Geschäftserfolg? Wären die gleichen Umsätze auch mit weniger Beschneiung möglich gewesen?

Vertreter:innen grösserer, höher gelegener und gut kapitalisierter Bahnen werden solche Fragen als Gedankenspielerei abtun. Für sie steht der Nutzen ausser Frage; die Beschneiung ist längst zu einem integralen Bestandteil des Angebots geworden, und die entsprechenden Aufwendungen werden als fester Kostenblock eingeplant. Dennoch machen auch sie sich Gedanken über die Kostenentwicklung und fragen sich, wie eine optimale Beschneiung aussehen könnte. Nicht jede zusätzliche Schneekanone bringt einen positiven Grenznutzen.

Für kleinere und tiefer gelegene Bahnen haben diese Fragen eine ganz andere Tragweite (vgl. Abegg und Steiger 2019). In den letzten Jahren mussten sie zum Teil schwierige Erfahrungen machen: dass der Skibetrieb ohne Beschneiung kaum möglich war, dass die Kapazität der bestehenden Infrastruktur nicht ausreichte oder dass die Anlagen wegen zu hoher Temperaturen gar nicht oder erst verspätet eingesetzt werden konnten. Solche Erfahrungen rütteln an den Grundfesten des Geschäftsmodells Skitourismus. Sie zeigen, dass die aus der Vergangenheit bekannte, fast reflexartige Reaktion – auf jeden schlechten Winter mit einem weiteren Ausbau der Beschneiung zu antworten – womöglich nicht der Weisheit letzter Schluss ist.

Damit stellen sich für die Skigebiete grundsätzliche Fragen zur zukünftigen Ausrichtung: Soll weiterhin auf den Skitourismus gesetzt werden? Oder soll die Abhängigkeit davon reduziert, der Skibetrieb womöglich ganz aufgegeben werden? Und wie könnte eine Zukunft mit weniger oder gar keinem Pistenbetrieb aussehen? Das sind grundlegende Fragen mit potenziell weitreichenden Konsequenzen.

Unklare Finanzierung

Die Ertragskraft der Seilbahnunternehmen ist sehr unterschiedlich. Viele Bahnen können die Investitionen in den Ausbau der Beschneiungsinfrastruktur nicht aus eigener Kraft stemmen. Während die Geldbeschaffung über herkömmliche Kanäle wie Bankkredite oder Kapitalerhöhungen schwieriger geworden ist, wird der Ruf nach öffentlicher Unterstützung immer lauter – und auch gehört. In verschiedenen Orten wurde und wird der Ausbau der Beschneiungsinfrastruktur – teilweise auch der Betrieb – mit öffentlichen Geldern unterstützt.

Solche Beiträge sind in der Regel an Bedingungen geknüpft, etwa an den Nachweis der wirtschaftlichen Tragfähigkeit, und lösen oft eine breite öffentliche Diskussion aus. Jüngere Entwicklungen deuten darauf hin, dass Beschneiungsprojekte – vor allem in mittleren Lagen – zunehmend kritisch gesehen werden, nicht nur von Umweltschutzkreisen, sondern auch von Politik und Bevölkerung. Damit droht auch diese Geldquelle zu versiegen.

Neue Wege im Wintertourismus

Für die Skigebiete steht viel auf dem Spiel. Die starke Ausrichtung auf den kapitalintensiven Skitourismus hat Abhängigkeiten und Sachzwänge geschaffen. Gerät das Geschäft ins Stocken, kann das Geld rasch knapp werden. Die betroffenen Bahnen reagieren unterschiedlich: Während sich die einen an den Skitourismus klammern, versuchen die anderen, ihre Ski- bzw. Schneeabhängigkeit zu reduzieren. Verschiedene Wege sind denkbar. Entscheidend ist eine schonungslose Analyse des Unternehmens und seines Umfelds mit dem Ziel, eine lokal angepasste, finanzierbare und tragfähige Strategie zu entwickeln. Skifahren und Beschneiung werden dabei je nach Situation eine grössere oder kleinere Rolle spielen.

Redaktion: Elena Arnold

Abegg, Bruno / Robert, Steiger (2019): Die Zukunft der Skigebiete in den Freiburger Voralpen. Schlussbericht (ergänzt). Projekt Préalpes Vision 2030. St. Gallen / Innsbruck: Universität St. Gallen und Universität Innsbruck.

Abegg, Bruno / Robert, Steiger / Roger, Walser (2013): Aktuelle und zukünftige Schneesicherheit der Bündner Skigebiete. In: Herausforderung Klimawandel: Chancen und Risiken für den Tourismus in Graubünden. Teil B. Chur: Amt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden.

Kissling, Thomas / Rolf, Weingartner / Günther, Vogt (2016): Ableitungen zur Studie «Alpine Beschneiungsspeicher». Mit Beiträgen von Bruno Abegg, Hansueli Rhyner, Christopher Robinson und Raimund Rodewald. Zürich: ETH Zürich, Departement Architektur, Institut für Landschaft und Urbane Studien.

Seilbahnen Schweiz (2025): Branchenreport Seilbahnen Schweiz. Seilbahnen Schweiz.